„Das war eine super Zeit“

Wie vier Arbeitswochen im Ausland junge Handwerker beflügeln
100 Minuten Autofahrt über die Grenze – und plötzlich ist es der Azubi, der den alten Hasen in der Werkstatt noch Neues beibringen kann. So ging es Robin Funke bei seinem vierwöchigen Auslandseinsatz im Rahmen des xchange-Lehrlingsaustauschs in einer Mercedes-Niederlassung in Vorarlberg. Der angehende Kfz-Mechatroniker im dritten Lehrjahr überraschte die Kollegen gleich zu Beginn mit seinem hohen Kenntnisstand. „Sie waren überrascht, dass ich so fit war“, berichtet der 20-Jährige, der bei Südstern Bölle in Singen lernt.

Dass er ungewollt gelegentlich in die Rolle des Lehrmeisters schlüpfte, ist für Funke aber nebensächlich. Er freute sich am meisten darüber, wie freundlich er in seinem Gastbetrieb aufgenommen wurde. „Ich hatte mir die Zusammenarbeit eher distanziert vorgestellt, aber es war richtig familiär dort“, sagt Robin Funke. Er empfiehlt das xchange-Programm ohne Einschränkung weiter: „Es ist eine gute Erfahrung. Man lernt neue Leute und Arbeitsweisen kennen und kann dann entscheiden, welche für einen die bessere ist.“

Lehrlinge kommen motivierter zurück

Robin Funke ist einer von 129 Lehrlingen, die in diesem Jahr mit Hilfe des xchange-Programms Praxiserfahrung im benachbarten Ausland sammeln konnten. Keiner kommt unverändert zurück, die meisten noch motivierter, wie Raimund Kegel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, immer wieder feststellt. „Ich höre oft von den Ausbildern, dass die Lehrlinge, wenn sie zurückkommen, ganz anders aufgestellt sind. Eher stille Azubis wachsen über sich hinaus und fangen an zu reden oder die Dinge in die Hand zu nehmen“, sagt Kegel. Der Vorteil bei xchange sei, dass die Auszubildenden nicht ganz in die weite Welt fliegen müssten und damit auch Sprachprobleme in den Hintergrund träten. Zudem sei man auch während des Auslandseinsatzes in einem bewährten und bekannten Bildungssystem.

Auch drei Lehrlinge der Schreiner-Innung Tuttlingen nutzten die Chance, Erfahrungen in einem ausländischen Betrieb zu sammeln. Nach drei Wochen in Südtirol ist Benedikt Hellmann immer noch begeistert, wie nett ihn die Kollegen dort aufgenommen haben. Er habe insbesondere viele Anregungen bekommen, wie man Arbeiten auch angehen kann. „Sie machen es anders. So habe ich eine andere Sichtweise kennen gelernt“, sagt Hellmann. Seine Kollegen Mario Suske und Bernhard Büchner stimmen ihm zu. Alle drei können nur dazu raten, den Schritt in die xchange-Auslandswochen zu wagen.

xchange-Lehrlingsaustausch

xchange-Lehrlingsaustausch

Der xchange-Lehrlingsaustausch der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) und der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp) bietet Lernenden sowie Unternehmen die Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln. Die Europäische Union unterstützt das Projekt im Rahmen des Programms Erasmus+. 2017 nutzten 129 Lernende die Möglichkeit, bis zu vier Wochen Auslandserfahrung in einem Austauschbetrieb in Österreich, Italien, Deutschland, Liechtenstein oder der Schweiz zu sammeln.

Wer kann teilnehmen?

Am drei- bis vierwöchigen xchange-Austausch können alle Lehrlinge und Auszubildenden aller anerkannten Ausbildungsberufe nach dem ersten Lehrjahr teilnehmen. Der aufnehmende Betrieb muss in der Lage sein, eine qualifizierte Ausbildung zu leisten. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit unter:

www.xchange-info.net

xchange hwk funke
„Hat Spaß gemacht.“ Der angehende Kfz-Mechatroniker Robin Funke aus Singen konnte in seinem Vorarlberger Austauschbetrieb nicht nur viel lernen. Oft wurde er selber um Rat gefragt.

xchange hwk suske buechner hellmann
„Es war super.“ Die drei Schreiner-Lehrlinge Benedikt Hellmann, Mario Suske und Bernhard Büchner (von links) aus dem Raum Tuttlingen empfehlen allen Auszubildenden die Teilnahme an xchange.

Autor: Holger Thissen